In Wiescheid hat Frank-Dieter Schaub beim Schützenfest Landwehr mit dem 269. Schuss die Kaiserwürde errungen. Damit übertrifft er Vater und Großvater. Doch er verkündet: Es war das letzte Mal.
Unfall, Lebenstraum oder Pflichtgefühl: Wenn beim Fest des Schützenvereins Landwehr die hölzernen Vögel nach dem goldenen Schuss endlich zu Boden fallen, stehen die neuen Majestäten in den ersten Momenten zunächst meist unter Schock. Der Unglaube über den Sieg lässt für einige Sekunden keine Freude zu, die ist im Anschluss daran dafür jedoch oftmals umso größer. Am Wochenende stand ganz Wiescheid unter grün-weißer Flagge, unter der die neuerliche Majestät des Stadtteils ausgeschossen wurde. Dabei krönte sich Frank-Dieter Schaub mit dem 269. Schuss zum Kaiser. Damit verdrängt er seinen Vorgänger Florian Broch.
„Ich wollte besser sein als mein Opa und mein Vater"
Es ist bereits das dritte Mal, dass Schaub die Königs- bzw. Kaiserwürde erhält. Damit vollendet er ein Werk, an dem er viele Jahre gearbeitet hat. „Ich wollte besser sein als mein Opa und mein Vater", berichtete er. Papa Dieter Gerold war Prinz, König und Kaiser, Großvater Karl Rossky König und Kaiser. Die beiden erhielten den wichtigen Titel also je zweimal. Ihr Nachfahre hat sie übertroffen. Dementsprechend emotional wurde der 58-Jährige nach seinem entscheidenden Treffer. „Es war ergreifend. Ich habe geheult“, gab er zu. Mit der Entscheidung, den Verein ein Jahr lang anzuführen, hat Schaub überdies schon eine weitere getroffen: „Das ist definitiv das letzte Mal.“
Für Florian Broch hingegen endete mit der abendlichen Krönungszeremonie einer der schönsten Abschnitte seines Lebens und eine intensive Zeit. Als Durchlaucht besuchte er Feste und Feiern befreundeter Vereine. „Jedes Schützenfest war bezaubernd“, erzählte er. Nachdem er drei Jahre lang vergeblich versucht hatte, den Thron zu besteigen, hatte es endlich funktioniert. Zuvor war der Glücksschuss – und mit ihm der Königsvogel – stets nach dem Versuch des 30-Jährigen gefallen.
Scheidender König wird Vater
Mit dem Blick auf die Zeremonien am Abend war die Wehmut hinsichtlich seines Herrschaftsendes schon während des Schießens am Sonntag groß. „Das ist immer emotional, und es wird sicher die ein oder andere Träne fließen“, kündigte er an. Alsbald beginnt für Florian Broch gleichwohl ein nächstes spannendes Kapitel: „Ich werde Papa“, berichtete er stolz. Im September soll ein Junge zur Welt kommen. Sobald der alt genug ist, will der eingefleischte Schütze die Kaiserwürde erringen.
Sicherlich ist Broch Junior dann auch ein heißer Anwärter auf eine Vereinsmitgliedschaft in jungen Jahren.
Alles in allem fällt es dem Schützenverein Landwehr allerdings schwer, Nachwuchskräfte für sich zu gewinnen. Derzeit schießen sechs Kinder und Jugendliche für den Klub. „Wir haben das Glück, dass wir noch ein wenig Jugend haben“, sagte Vereinschef Martin Schorn. Die Probleme im Bezug auf die nächsten Generationen eint nahezu sämtliche Vereine. „Die Pandemie hat viel kaputt gemacht“, so Schorn. Jugendleiter Jan Hecht verweist auf die vielen Möglichkeiten, die Jugendliche im Freizeitbereich besitzen. Und er konstatierte: „Junge Leute haben keine Lust auf Verpflichtungen.“
Beim Prinzenschießen setzte sich derweil Laisa Fahning durch. Auch sie sprach von einem Schockmoment, als der Vogel mit dem 269. Schuss dahinsank. „Aber es war auch schön“, erzählte sie noch ein wenig aufgeregt. „Es war eher spontan, und ich war mir bis zu diesem Moment nicht ganz sicher.“ Durch ihren Freund ist sie zum Verein gekommen, und das Gemeinschaftsgefühl hielt sie. Jetzt also sitzt sie mit im Thronsaal.
Häufig gelangen Kids über ihre Eltern in die Reihen der Landwehr-Schützen. So lief es auch bei Schülerprinzessin Sophia Siebertz. Der Zehnjährigen gelang es, den Vogel mittels Laserpistole und dem 74. Schuss zu Fall zu bringen. Wie war für sie der Moment, in dem sie den Titel erhielt? „Schockierend eigentlich“, sagte sie verschmitzt lächelnd. Als Trophäe erhielt die Prinzessin einen kleinen Plastik-Pokal, über den sie sich sehr freute.
Aus RP Langenfeld vom 27.07.2026

Schützenhaus Wiescheid
40764 Langenfeld
Alt Wiescheid 20b
Jeden Mittwoch ab 18:30 Uhr